Psychosoziale Beratung
Beratung wird verstanden als eine profressionell gestaltete Dienstleistung. Sie setzt in Problem-, Konflikt- und Krisensitruatuionen unterschiedlicher Art an und grenzt sich von Psychotherapie und anderen Beratungsformen (z.B. Rechtsberatung) ab. (Schay, 2006)
Sie ist kostenfrei.
Grundsätzliches zu Beginn: Wir Mitarbeiter in der Drogenhilfe unterliegen der Schweigepflicht, die wir sehr ernst nehmen. Darüber hinaus haben wir im Rahmen unseres Dienstes ein Zeugnisverweigerungsrecht, ähnlich einem Rechtsanwalt. Dies hat der Gesetzgeber so gewollt, damit Sie sich ganz sicher fühlen können. Das bedeutet, dass wir über Sie keinerlei Auskünfte geben, schon gar nicht am Telefon, auch nicht Ihrem Freund (ob Sie gerade da sind) oder Ihrem Bewährungshelfer oder Anwalt gegenüber!
Sollten Sie das wollen, müssen Sie eine gesonderte Entbindung von der Schweigepflicht unterschreiben.
Um die Hilfsmaßnahmen verstehen zu können ist es notwendig, die Hintergründe der Drogensucht und das Grundverständnis der Drogenhilfe zu beleuchten.
Drogenabhängigkeit ist ein lebensbestimmendes Problem mit sehr hohem Krankheitswert. Es gibt nicht DIE Ursache für die Suchtentstehung, sondern es gibt ein Bündel von Faktoren, die eine Suchterkrankung auslösen können. Die Drogenhilfe versteht die Abhängigkeitserkrankung als komplexes, psychisches, medizinisches und soziales Geschehen. Dies erfordert ein vielseitiges Hilfsangebot.
Das Suchtverhalten verdeckt psychosoziale Störungen und der Drogenkonsum kann als Selbstheilungsversuch interpretiert werden. In der Beratung - vor allem jedoch in der Therapie - muss das Ziel also sein, einen Weg zu finden, die Identität der Betroffenen zu finden und zu wahren, ohne Verhaltensweisen einzusetzen die letztendlich die psychische und soziale Weiterentwicklung behindern. Es hilft dem Betroffenen nicht, ihm einfach nur die Droge wegzunehmen, vielmehr muss man ihn in seinem Streben nach Autonomie unterstützen. Therapeuten und Berater verstehen sich dabei als Partner und Förderer und bieten Hilfe zur Selbsthilfe an.
Im Zentrum des Ursachenspektrums stehen Probleme in Beziehungen zu Mitmenschen, zu Eltern und zu sich selbst. Wichtig ist es für den Berater und Therapeut, Kontakt zum Betroffenen herzustellen und aufrecht zu erhalten, um eine stabile, zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen. Durch eine respektvolle und verlässliche menschliche Begegnung kann ein Vertrauensverhältnis entstehen. Vertrauen ist die Basis dafür, Ängste und Verletzungen zu finden und bearbeiten zu können. Ist der Betroffene bereit, selbstverantwortlich und aktiv mitzuarbeiten, so ist ein Veränderungsprozess schon in Gang gekommen. Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet so, die gesunden Anteile, Fähigkeiten und Energien zu stärken und zu fördern und Erfahrungsprozesse einzuleiten. Diese Hilfe ist nur über einen beständigen Kontakt zum Klienten möglich, der Einsicht in seine Lebens- und Erfahrungswelt gewährt.
